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Kino k.o.

10.11.2010 Kein Kommentar

Die Diskussion über Urheberrechtsverletzungen bei Filmen gibt es seit Jahren, interessanter wird sie dadurch nicht, eher zermürbender.

Es gibt tatsächlich noch immer Branchen, die es nicht schaffen internet-tauglich zu sein. Starr werden die alten Strukturen von der Filmindustrie aufrechterhalten, die Angebote werden nicht an die heutigen Bedürfnisse der Verbraucher angepasst. Es ist, als würde man Ampeln noch per Hand umschalten müssen – undenkbar. Längst haben die Kunden die Produzenten überholt und nutzen online Möglichkeiten den Content zu konsumieren.

Die Industrie engagiert Juristen wie Kopfgeldjäger und versucht auf jedem erdenklichen Umweg “back tot he roots” zu kommen und schießt so mit Kanonen auf Spatzen. Werbespots werden geschalten, die Kinder zu Verbrechern macht, uvm.

Das böse Internet ist schuld, es macht die Konsumenten zu mündigen Menschen, die entscheiden, was sie wollen und was nicht. Während die Filmkonzerne Millionen Umsätze verlieren boomen Netzwerke wie Facebook, in denen die User gerne Content den Freunden zeigen. Schon einige No-Names haben ausschließlich durch das Teilen des selbst produzierten Video im Netz internationale Berühmtheit erlangt. Was gut ist, shared man gern mit anderen. Interessantes und Legales, genauso wie Illegales…das vielleicht nicht ganz so öffentlich. Es ist eines der Tabus unserer Zeit, alle tun es ab und an, und keiner spricht darüber. Fragt man die Menschen, besonders auch die Jungen, ob sie für Content wie Filme online bezahlen würden um diese zu sehen, antwortet die Mehrzahl mit ja, klar.

Man verliert sich als Konsument zuweilen gerne in Tagträumen. Man phantasiert von rechtmäßig erworbenen Lieblingsschinken per Mausklick. Ein Paradies von Portalen, wo man Filme kaufen kann, wann und was man will, ob Nischenwerke, oder Hollywood-Blockbuster – egal, alles ist erhältlich und das so oft man Lust dazu hat.

Die Realität sieht freilich ganz anders aus. Die Anklagen der Industrie gehen weiter. Die Verantwortung wird abgeschoben. Das vom Verband der österreichischen Internetprovider ISPA genannte Beispiel ist gut getroffen: “Es könnte auch jemand, der auf der Autobahn fährt, in seinem Kofferraum schwarz kopierte Videos transportieren. Die ASFINAG macht den Transport erst möglich. Erhält die ASFINAG deswegen auch eine Unterlassensaufforderung?” argumentiert der Generalsekretär Andreas Wildberger.

Auch der österreichische Regisseur und Filmemacher Virgil Widrich macht sich Gedanken über die Situation der Filmindustrie: “Vermutlich sind die Ursachen Saturiertheit der großen Medienkonzerne gepaart mit Konkurrenzdenken, das eine große Lösung verhindert. Man versucht das Problem “auszusitzen” – irgendwann muss dieses Internet ja auch wieder einmal verschwinden.

In dieser Pattsituation verhärten sich zunehmend die Fronten. Und immer öfter schießt die Filmindustrie in der Verteidigung ihrer Rechte übers Ziel hinaus. In Deutschland stellte der Filmemacher Alexander Lehmann ein Video auf die Plattform Vimeo. Das Video wurde 700.000-mal angesehen und vielfach kommentiert. Plötzlich war es verschwunden. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen hatte die Löschung angewiesen. Die Vereinigung, die dafür sorgen soll, dass keine illegalen Angebote ihrer Auftraggeber im Netz auftauchen, hatte keinen Auftrag von Lehmann sich um seine Rechte zu kümmern. Die Wogen der Entrüstung in der deutschen Blogger- und Twitterszene waren dementsprechend hoch. Immer wieder werde mit der Brechstange auf vermeintliche Urheberrechtsverletzer vorgegangen, so der einheitliche Tenor.

Seit der letzten Aufforderung der Filmindustrie in Österreich an den Provider UPC bestimmte Seiten zu sperren, ist das Thema wieder in aller Munde. Die Positionen bleiben unverändert. Ob und wann es endlich eine Lösung in diesem Streit gibt? Wie meinte einer meiner Freunde dazu? „In the year 2525 – if men is still alive…..“

Links:

  1. Virgil Widrich
  2. Ispa